The Girl before

Hörbuchrezension: The Girl before

„The Girl before“ ist ein Psychothriller von JP Delaney. Hierbei handelt es sich um ein Pseudonym des Briten Tony Strong.

Inhalt

Als Jane nach einer persönlichen Tragödie die Möglichkeit erhält, in London in dem technisch-hochmodernen Haus eines berühmten Architekten zu wohnen, ist sie direkt begeistert. Auch die vielen Regeln, die an den Mietvertrag geknüpft sind (Keine Möbel mitbringen, puristisch Leben, keine Sachen auf dem Boden liegen lassen, sind in Abständen Tests unterziehen) schrecken Sie nicht ab, dort einzuziehen. Nach und nach erfährt sie, dass die Vormieterin Emma in diesem Haus gestorben ist. In abwechselnden Kapiteln kommen Jane und Emma zu Wort, um die Vergangenheit ans Licht zu bringen… Denn Jane sieht Emma verblüffend ähnlich und ist wie diese dem Architekten Edward Monkford verfallen…

Buchkritik

Mir fällt eine Rezension zu diesem Hörbuch nicht leicht, da ich zu Beginn mit dem Gedanken gespielt habe, es abzubrechen. Grund dafür waren die Charaktere und deren Verhaltensweisen. Der Architekt des Hauses – Edward Monkford – wird wie ein zweiter Christian Grey (50 Shades of Grey) beschrieben. Ich habe besagte Bände nicht gelesen, aber durch Rezensionen und den Filmtrailer ein Bild von diesem Charakter bekommen können. Monkford wird von den weiblichen Protagonisten (Emma, Jane aber auch Janes Kollegin) als sehr attraktiv beschrieben. Er ist intelligent, reich, kultiviert und erklärt Frauen gern die Welt. Die ersten 50 % des Buches wird die Attraktivität und das Charisma dieses Charakters immer wieder genannt und es spielte eine für mich zu große Rolle, dass beide Frauen – Emma und Jane – ihn jeweils sexuell anziehend finden. Besonders Emmas Verhalten – ohne zu Spoilern oder weiter ins Detail gehen zu wollen – fand ich nicht besonders nachvollziehbar.

Der zweite Punkt der mich gestört hat war, wie naiv und willig sich Emma und Jane den Regeln und Vorschriften für das Haus unterworfen haben. Sie dürfen keine Möbel und nur wenig Habseligkeiten mitbringen (auch keine Bücher!). Sie müssen sich regelmäßigen Tests unterziehen, die durch das Monkford-Unternehmen ausgewertet werden und müssen mit regelmäßigen Besichtigungen von Besuchergruppen durch das Haus einverstanden sein. Das Haus lässt sich durch Sensoren steuern, wobei die Mieter durchgängig Armbänder tragen müssen. Durch die Sensoren werden Duschvorlieben gespeichert und bei Bedarf abgerufen, um dem Nutzer Wärmeeinstellungen etc. zu ersparen. Mir kam es so vor, dass sich die beiden einfach nur durch Luxus beeindruckt haben lassen, ohne sich selbst allzu große Gedanken zu machen. Es kamen zwar verwunderte Nachfragen vor und wurden thematisiert, aber beide haben sich jeweils relativ schnell mit der Situation arrangiert.

Die Kapitel werden abwechselnd von Jane (Petra Schmidt-Schaller) und Emma (Anneke Kim Sarnau) gesprochen, was mir ganz gut gefallen hat, da ich die beiden so besser unterscheiden konnte. Aber gerade zu Beginn, als regelmäßig die Attraktivität und Anziehung gegenüber Monkford thematisiert wurden, haben die zum Teil säuselnden Stimmen dazu beigetragen, dass ich das Hörbuch zwischenzeitlich genervt stoppen musste.

Warum habe ich trotzdem weitergehört? Sprachlich war die Geschichte – trotz der teilweisen vulgären Sprache – auf einem angenehmen, nicht platten, Niveau. Ich hatte zwar vermutet, in welche Richtung das Ganze steuern sollte, wollte es dann aber trotzdem zuende hören. Der letzte Teil des Hörbuchs hat mich teilweise doch überrascht und hatte einen runden Abschluss.

Aufbau

Tracks: 122 (jew. 1-6 Minuten)
Dauer: 8 Std. 28 Min

Fazit

Ich habe mich mit der Geschichte etwas schwergetan. Die Charaktere haben mir nicht gefallen, die Story war besonders zu Beginn teilweise schwer erträglich, da ich Beschreibungen sowie Verhaltensweisen nicht nachvollziehbar, überzeichnet und nervend empfand. Das letzte drittel war für mich aber zum Teil doch überraschend. Ich kann jedoch den „Hype“ um dieses Buch nicht verstehen.

Titel: The Girl before - Sie war wie Du. Und jetzt ist sie tot
Autor: JP Delaney
Gelesen von: Petra Schmidt-Schaller, Anneke Kim Sarnau, Bibiana Beglau
Verlag: Der Hörvertrag, 2017 
Format: mp3-CD, gekürzte Lesung
Preis: 14,99 Euro

Vielen Dank an den Hörverlag für das Rezensionsexemplar!

11 Antworten

  1. Anett sagt:

    Hallo Jemima,
    oh so unterschiedlich ist da doch die Meinung!
    Ich habe letztlich das Buch gelesen, ja, der Edward den mochte ich auch nicht, aber ich empfand den nicht als so hohen Stellenwert im Buch. Und ich war auch von Emma total genervt, dass sie ihm so hörig schon fast war. Jedoch mochte ich jane total, eben weil sie nicht alles so hingenommen hat, sondern hinterfragt hat und damit alles auf den Kopf gestellt hat.
    Und das Ende und die Auflösung war einfach nur toll!

    Liebe Grüße Anett,
    die dich hier übers #litnetzwerk gefunden hat 🙂

    • jemima sagt:

      Hallo Anett,

      das stimmt, Jane geht später sehr rational an die Sache. Anfangs wirkt sie auf mich aber auch wie ein naives Huhn. Vielleicht lag meine Antipathie auch an den „gurrenden“ Sprecherinnen. Zwischenzeitlich musst ich wirklich ausschalten, weil ich es so schrecklich fand. 🙂 Dabei mag ich Anneke Sarnau eigentlich gern.

      Viele Grüße,

      Jemima

  2. Hallo Jemina,
    Hörbücher sind bei mir mittlerweile ein absolutes Muss. Ich weiß gar nicht warum ich die Zeit ohne hören vertrödelt habe 🙂
    Egal ob beim Putzen, Gassi gehen oder wie heute Unkraut jäten. Es macht doppelt so viel Spaß.
    Dein hier vorgestelltes werde ich dann wohl nicht hören (wollen) besonders begeistert klingst Du nicht auch wenn Du es doch beendet hast. Aber ich mag es nicht wenn einzelne in Büchern so dargestellt werden. Stehe dann dich eher auf die schrägen (böse) Typen.
    Danke für die ausführliche Rezension, hat Spaß gemacht sie zu lesen.
    Liebe Grüße
    Kerstin
    komme auch ohne #litnetzwerk gerne wieder hier vorbei

    • jemima sagt:

      Hallo Kerstin,

      ich brauche Hörbücher bei langen Autofahrten & kann gut verstehen, dass Du in bestimmten Situationen zu Hörbüchern greifst. Schräge / böse Typen findest Du in diesem Buch nicht, da kommst Du bei anderen Hörbüchern eher auf deine Kosten…

      Danke für das schöne Kompliment!

      Viele Grüße,

      Jemima

  3. Christin sagt:

    Deine Kritik spiegelt genau das wieder, was ich geahnt hatte bei dem Klappentext und bin nun sehr froh, dass ich mir dieses Buch nicht geholt habe – tendierte nämlich auch schon zum Hörbuch. Daher Danke für die Kritik 😀

  4. Christina sagt:

    Hab das Buch lange im Auge gehabt, aber da ich nicht auf so vulgäre Thriller stehe, wirds wohl eher doch nichts. Kompliment an deinen Blog, er gefällt mir wirklich sehr gut☺️
    Liebe Grüße
    Christina

    • jemima sagt:

      Hallo Christina,

      so geht es mir auch, vorallem wenn es sich fast durchs ganze Buch zieht wie hier…

      Vielen Dank für das schöne Kompliment! 🙂

      Viele Grüße,

      Jemima

  5. Ascari sagt:

    Hey 🙂

    Ich reiche jetzt mal so Stück für Stück meine Kommentare nach 😉 …

    Ich hab „The Girl before“ ja kurz nach dir angefangen zu hören – und fand es wieder einmal spannend, wie unterschiedlich man Bücher wahrnehmen kann. Ich hatte am Ende zwar auch einiges zu kritisieren, aber es waren andere Dinge als bei dir :D. Ich fand es beispielsweise bei beiden Frauen überhaupt nicht nachvollziehbar, warum sie überhaupt mit Edward etwas angefangen haben. Da war das Kennenlernen, dieser wirklich absolut kalte Typ – und trotzdem landen sie gleich mit ihm im Bett. Für mich ein absolutes Rätsel, weil ich Edward von Anfang an extrem unsympathisch fand. Emma wurde mir außerdem mit der Zeit auch immer unsympathischer …

    Aber am schlimmsten fand ich den Schluss, der wirkte auf mich sehr, sehr konstruiert. Ich meine, welche geistig halbwegs vernünftig denkende Frau verhält sich so? Mehr kann ich jetzt leider nicht mehr dazu schreiben, weil es sonst ein Spoiler wäre …

    Liebe Grüße
    Ascari

    • jemima sagt:

      Huhu! Ja, die Anziehungskraft die Monkfort haben sollte, ist bei mir auch nicht wirklich angekommen 😉 Das meinte ich mit „Erklärt Frauen gern die Welt“. Unangenehmer Typ…

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