Vox - Buchgesicht

Vox von Christina Dalcher (Spoiler!)

„Vox“ von Christina Dalcher zeigt ein Amerika in naher Zukunft: Eine fundamentalistische christliche Regierung ist an der Macht. Frauen ist es verboten zu lesen. Ihr Wortschatz ist auf 100 Wörtern pro Tag beschränkt. Diese Zahl wird mit einem Wortarmband kontrolliert, die wie ein Schrittzähler jedes gesprochene Wort zählt. Wenn das Kontingent verbraucht ist, erfolgen Stromstöße, um dieses Vergehen bestrafen.

In dieser Dystopie begleiten wir Dr. Jean McClellan, Linguistin und durch ein Arbeitsverbot nun als Hausfrau lebende Protagonistin des Romans. Jeans Mann Patrick ist Mediziner und hat eine hohe Stelle im Weißen Haus. Die beiden leben mit ihren 4 Kindern (3 Söhne, 1 Tochter) in einem Haus außerhalb von Washington.

Jean wird wegen ihrer wissenschaftlichen Forschungen eines Tages von der Regierung zurück zur Arbeit geholt, da Sie und ihre ehemaligen Kollegen Lin und Lorenzo ein Serum entwickeln sollen, das einen Teil des Sprachzentrums wieder herstellen kann.

!Die komplette Rezension ist voller Spoiler und verrät das Ende!

Jeans Name, ihre Vergangenheit und der italienische Liebhaber

Von Jean erfahren wir, dass sie sich mit dem Feminismus wenig auseinander gesetzt hat. Sie ist in den letzten Jahren nicht zur Wahl gegangen und nun wütend über den Zustand, dem Frauen ausgesetzt sind. Besonders um das Wohl und den Spracherwerb ihrer jüngsten Tochter Sonia ist Jean sehr besorgt. Das sind beides Punkte, die wichtig sind, jedoch viel zu oberflächlich behandelt wurden. Man hat eine politische Stimme mit der man die Politik beeinflussen kann. Die linguistische Sprachentwicklung bei einem Sprachverbot hätte auch gerne mehr Raum einnehmen können.

Jackie ist eine alte Freundin von Jean aus Studienzeiten, die sie immer wieder auf Frauenrechte aufmerksam gemacht hat. Nach 20 Jahren denkt Jean nun regelmäßig an sie und – oh Wunder – taucht diese verlorene Freundin am Ende des Buches wieder auf. Eine sehr plumpe Art und das erste Wort was die beiden miteinander sprechen ist eine Erinnerung an ein Ereignis von vor 20 Jahren. Puh!

Im weiteren Verlauf der Geschichte erfahren wir, dass Jean eigentlich Italienerin ist und Gianna heißt. Warum sie in Amerika „Jean“ heisst – aus beruflichen Gründen? Weil die Amerikaner „Gianna“ nicht aussprechen können? – wird nicht erläutert. Zufälligerweise ist ihr Teamkollege Lorenzo auch Italiener und über die gemeinsame Kultur verlieben sich die beiden ineinander. Das macht die Charakterisierung von Jean etwas blass.

Seitenlang und immer wieder vergleicht Jean Patrick und Lorenzo miteinander. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, die Autorin Christina Dacher muss mit der Figur des Lorenzo und der Liebesgeschichte selbst etwas kompensieren. Kommt ein feministisches Buch – als das Vox verkauft wird – nicht ohne eine Liebesgeschichte aus?  Oder zumindest nicht um eine so platte Liebesgeschichte? Man hätte auch über eine enge Freundschaft deutlich machen können, dass nicht alle Männer hinter dem Patriarchat stehen.

Der Affe und das Ende

Bis zur Mitte war das Buch mittelmäßig, wandelte sich aber am Ende zu schlecht. Lorenzo und Jean haben einen Plan um die Regierung zu stürzen, jedoch ist die komplette Umsetzung unverständlich und wirr, da die Beschreibungen einige Lücken aufweisen. Zum einen schmuggelt Jean ein tödliches Serum aus dem Labor. Das sie dieses Serum im Auto verstecken konnte wird lange überhaupt nicht erwähnt (denn sie wird unterbrochen). Erst einige Kapitel später erfährt man, dass es im Auto liegt (und später von Patrick genutzt werden kann). Von diesen „Plotholes“ gibt es leider mehrere.

Des Weiteren gibt es einen längeren Abschnitt über einen Plan, der die Operation eines lebenden Affen am Gehirn beinhaltet. Wozu diese Operation dient und warum sich Jean innerhalb von kürzester Zeit biologische Kenntnisse aneignet bzw. aneignen muss erschließt sich mir leider nicht.

Der große Showdown, in welchem Patrick das Serum nutzt und quasi als Märtyrer stirbt wird innerhalb der letzten 6 Seiten abgehandelt, als hätte die Autorin dringend einen Abgabetermin einhalten müssen. Auch die Kinder scheinen nicht über den Tod des Vaters zu trauern. Es wird nur in einem Satz erwähnt, dass der Älteste den neuen Mann der Mutter als großen Bruder akzeptiert. Sonia, deren (sprachliche) Entwicklung Jean das komplette Buch über besorgt verfolgt, bleibt den größten Teil des Buches über stumm.

Fazit

In der Danksagung steht: „Vor allem hoffe ich, dass der Roman sie etwas wütend macht“. Das ist Christina Dalcher gelungen. Ich bin wütend, dass Ich meine Zeit mit diesem Buch verschwendet habe.

Die Handlung war wirr, klischeebeladen und hat eine durchaus gute Idee richtig falsch angepackt. Bis zur Mitte des Buches hätte ich noch 3 Sterne vergeben. Das Ende war aber einfach nur schlecht. Zum einen wirkt es tatsächlich wie irgendwie übereilt und nicht durchdacht (Abgabetermin?) und zum anderen ziemlich unverständlich was die eigentliche Handlung betrifft.

Aus der Grundidee hätte man einen tollen Roman machen können. Leider ist nichts draus geworden.

Titel: VOX
Original: Vox (2018)
Autor: Christina Dalcher
Übersetzung: Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol
Verlag: S. Fischer, 2018 
Seiten: 395
Preis: 20,00 Euro

Weitere Rezensionen:

Iris | Schurkenblog · Ascari | Der Leseratz

2 Antworten

  1. Ascari sagt:

    Hey 🙂

    Jetzt schaffe ich es endlich mal, den versprochenen Kommentar zu schreiben :). Ich bin derzeit gefühlt wirklich eine Schnecke, was das angeht … Was ich aber sagen wollte: Ich kann dich so gut verstehen, was das Buch angeht! Gegen Ende hab ich für mich ja nur noch abgeschaltet, wollte endlich fertig werden, deswegen sind mir so Dinge wie der Affe gar nicht mehr aufgefallen. Und ich kann gar nicht ausdrücken, wie schade ich es finde, dass das Ende so ist, wie es ist. Was hätte man da noch herausholen können, wenn die Autorin da mehr Zeit hineingesteckt hätte …

    Liebe Grüße
    Ascari

  1. 11. September 2018

    […]   Hochhorst (Rezi mit […]

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