Hochhorst

stella
Roman

Stella von Takis Würger

*seufz * Man soll bei Kritiken ja immer mit dem Positiven beginnen… Erstmal ist dem Hanser Verlag mit „Stella“ ein sehr schöner Hingucker gelungen (Ausgabe zum Erscheinen: Hardcover schwarz mit goldener Schrift).

Wie auch bei „Der Club“ lässt sich auch Takis Würgers zweiter Roman sehr schnell und flüssig lesen. Sprachlich habe ich an dem Buch nichts auszusetzen.

Leider habe ich die Geschichte an sich als ziemlich platt empfunden. Zentrum des Romans ist der junge Schweizer Friedrich, der sich in Kristin (später Stella) verliebt. Den ganzen Roman über geht es um die Liebe und Begeisterung, die Friedrich ihr entgegenbringt und wie schön er Stella findet. Ich konnte mich weder mit Friedrich noch mit Stella identifizieren. Friedrich – dargestellt als ziemlich naiver Lebemann, der die Wahrheit sucht und von dem Vermögen seiner Eltern lebt. Stella, die am liebsten Sängerin sein möchte, das Leben genießt und ein sehr dunkles Geheimnis hat.

Ich habe kurz vor Beendigung des Romans den Wikipedia Eintrag zu Stella Goldschlag gelesen und letztendlich habe ich in diesem Buch nichts von dieser Stella wiederfinden können. Die reale Stella kann man scheinbar nur sehr schwer beschreiben: Vielleicht hat sie anfangs als Kollaborateurin für die Gestapo gearbeitet, um ihre Eltern zu retten. Im Alter konvertierte sie zum Christentum und scheint – soweit ich dies aus dem einen Artikel heraus beurteilen kann – eine verbitterte Antisemitin geworden zu sein.

Das Buch wird also dem realen Vorbild somit überhaupt nicht gerecht.

In seinem Dank am Ende des Buches schreibt Würger: „Ich danke allen, die sagen, ich hätte ‚Der Club’ nochmal geschrieben, ihr habt mich durchschaut“. Wenn ich darüber nachdenke, ist diese Aussage sehr treffend und dass macht das ganze Buch leider nicht besser.

Titel: Stella
Autor: Takis Würger
Verlag: Hanser Verlag, 2018
Seiten: 214
Preis: 22 Euro

Weitere Rezensionen:
KeJa
Leselust
Frau Hemmingway

4 Kommentare

  1. Hier ist sie, deine Rezi. Sie deckt sich mit der Meinung von vielen anderen, wie ich mittlerweile festgestellt habe. Es polarisiert mächtig, dieses Buch. Ich habe beschlossen, mir keine eigene Meinung zu bilden und es einfach auszulassen. Ich mache mir den Spaß und verfolge die Kritiken ganz unbefangen. 😉
    GlG, monerl

    1. Hallo Monerl, ist vielleicht ganz gut die Entscheidung. Dann lieber ein Buch lesen, von dem Du von vornherein ausgehen kannst, dass Du es mögen wirst… LG, Jemima

  2. hallo jemima,

    ich habe „stella“ auch kürzlich erst beendet und hatte dann sogar das glück, vor ort direkt zu einer lesung von takis würger zu kommen. und ich muss sagen, dass ich diese riesen shitstorm welle VIEL zu krass finde. das buch mag etwas platt sein, da stimme ich dir absolut zu, aber natürlich kann ein autor eine person nicht 1:1 nachzeichnen – wie sollte so was auch gehen? der autor hat hier mmn nur versucht, dieser person, die er bei der lesung selbst auch als „monster“ bezeichnete, eine „menschliche seite“ zu verleihen. er erzählte von seiner journalistischen arbeit, dass er auch mit mördern gesprochen hat und mit diesen eine pizza gegessen habe. „auch mörder essen pizza, sie können sogar freundlich zur bedienung sein“ – und das finde ich, hat er in seinem buch toll vermittelt. ich glaube, da fußt bei vielen auch die kritik, dass stella nach dem, was sie damals schreckliches getan hat, auf einmal mit einer menschlichen, ja sogar sanften seite dargestellt wird.

    1. Hallo Tina, ich bin Ende Februar auch auf einer Lesung von ihm. Ich finde deinen Einwand interessant, aber das war nicht der Punkt der mich gestört hat. Ich fand das gesamte Buch für so ein Thema recht „seicht“, weil eben hauptsächlich die Liebesgeschichte eine Rolle gespielt hat. Ich hab mich für eine Projektarbeit mit Mengele beschäftigt und dieser wurde von KZ-Insassen als auch von seinem Umfeld als sehr höflich und kultiviert wahrgenommen. Der Kontrast war während der Arbeit / Recherchen sehr spürbar und hat mich sehr beschäftigt. Wenn Würger die Taten von Stella (die ich jetzt nicht mit Mengele vergleiche, es ging nur um die „zwei Gesichter“) nicht nur über die Protokolle deutlich gemacht hätte, sondern sie in einer Szene als Kollaborateurin „begleitet“ hätte, wäre meine Meinung zu Buch vielleicht ganz anders ausgefallen… Viele Grüße, Jemima

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