sie

Rezension: Sie

Im Rahmen des von Juliane und mir organisierten Stephen King Mai #skm17 habe ich meinen ersten Stephen-King Roman gelesen. „Sie“ wurde 1987 veröffentlicht und gehört zu den bekanntesten Werken des Horror-Autors. Nicht zuletzt auch wegen der Darstellung von Kathy Bates in der Literaturverfilmung von 1990.

Inhalt

Der Romanautor Paul Sheldon wacht nach einem Autounfall im Gästezimmer der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes auf – seinem größten Fan, wie sie sagt. Als Annie erfährt, dass Paul ihre Lieblingsprotagonistin „Misery“ in seinem neusten Roman hat sterben lassen, zwingt sie ihn, diesen Fehler rückgängig zu machen und greift dafür zu brutalen Mitteln…

Buchkritik *enthält Spoiler der Handlung, ich verrate nicht das Ende*

Ich wollte als ersten King unbedingt einen seiner Klassiker lesen. Da „Sie“ mit knapp über 500 Seiten eins der kürzeren Werke ist, fiel mir die Entscheidung nicht besonders schwer.

Der komplette Roman ist gespickt von Verweisen auf Musik (ich konnte nicht alle Songs identifizieren), Literatur – Sherazade (1001 Nacht), Sherlock Holmes (Sir Arthur Conan Doyle), Krieg der Welten (H. G. Wells)  – aber auch Kings eigenem Werk „Shining“:

Es handelte sich um ein berühmtes altes Hotel Overlook. Es ist vor zehn Jahren abgebrannt. Der Hausmeister hat es niedergebrannt. Er war verrückt. (S. 329)

Besonders Verweise auf andere Werke eines Schriftstellers, mag ich sehr gern. Bei Comic- oder TV-Serien nennt man dieses Phänomen „Serienuniversum“, mir fällt jedoch gerade kein geeignetes Pendant innerhalb der Literatur ein.

Ich hatte angenommen, dass Annie zu Beginn wie eine gemütliche, hilfsbereite, vielleicht etwas einsam-schrullige Dame daherkommt und war überrascht, das sie eigentlich fast von Beginn an zeigt, wie sie wirklich tickt. Die Wutanfälle (Leute, die sie als „bedumdusselt“ bezeichnet, kommen noch am besten weg), den Ekel den sie ausstrahlt, machen sie zur widerwärtigsten, scheußlichsten und bestkonzipiertesten Antagonisten in der Literatur. Jedoch schimmerte immer mal wieder auch ein Gefühl von Achtung für Sie auf: Sie ist stark (schwere Arbeiten machen ihr wenig aus), klug (weil sie viel wahrnimmt, trotz der „Ausfälle“)  und weiß sich in vielen Situationen zu helfen (inkl. der Verschleierungen der bisherigen Morde). Alle Eigenschaften, die meist männlichen Serientätern zugeschrieben werden, hat Annie in sich vereint. Eine spannende Figur, die Stephen King erschaffen hat!

Er sah wieder ihre Finger vor sich, wie sie den Körper der Ratte zerquetschten. Die roten Spuren, die ihre Finger auf dem Laken hinterlassen hatten. (S. 277)

Ich habe sehr mit Paul gelitten. Trotzdem habe ich mich nach dem Buch gefragt ob ich neben Empathie auch Sympathie für ihn empfunden habe. Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Er fabriziert schriftstellerisch Schund und selbst, wenn er Miserys Rückkehr als das beste was er jemals geschrieben hat bezeichnet, ist die Handlung des Buches immer noch an den Haaren herbeigezogen. Man beachte auch den tollen Titel seines unveröffentlichten Buches „Schnelle Autos“. Wir haben uns bei Twitter etwas lustig darüber gemacht, da dieser Titel so platt und unkreativ ist. Desweiteren bezeichnet er sich selbst als guten Schriftsteller, der kein Niemand ist und Preise gewonnen hat. Während des gesamten Buches hat er sehr amüsante Gedankengänge (Radiosprecher der sein Handeln kommentiert) und seine Schreibleistung trotz Schmerzen hat mich beeindruckt. Aber letztendlich konnte ich für ihn keine richtige Sympathie aufbringen.

Eine Stelle hat mich inhaltlich etwas verwirrt: Auf einmal war die Rede davon, dass Paul nur noch einen Finger besitzt. Ich habe mich zur Aufklärung an den King-Kenner DerSinn gewandt, der mir nach kurzen Nachforschungen beruhigen konnte, dass es sich um keinen Fehler handelt, dieser Teil der Handlung erst nachträglich erläutert wird. Er möchte nun „Sie“ auch (nochmal) lesen wie er über über Twitter verkündet hat, da ihm die Geschichte nicht mehr ganz präsent ist.

Fazit

Ich bin froh, dass ich „Sie“ als erstes King-Buch gewählt habe. Es hat mich so begeistert, dass ich unbedingt mehr von diesem Autor lesen möchte. Im Rahmen der #skm17 werde ich diesen Monat noch eins lesen, brauche aber erstmal etwas anderes zum „runterkommen“…

Titel: Sie
Original: Misery
Autor: Stephen King
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag, 4. Auflage
Preis: 9,99 Euro

2 Antworten

  1. Hallo,
    darauf habe ich gewartet seit ihr bei Twitter Eure Beiträge postet 🙂
    „Sie“ ist neben „ES“ eines meiner Lieblings-King-Bücher. Auch aus dem Grund wie Du Annie beschreibst. Das ganze Buch und auch der Film steht und fällt mit ihr. Da bleibt Paul ja fast blass dagegen.
    Es sind viele Szenen an die ich mich noch erinnere aber das mit den Fingern wusste ich auch nicht mehr.
    Ich glaube ich sollte es nochmal lesen. Der Wälzer liegt hier und wartet.
    Danke für die schöne Rezension.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    • jemima sagt:

      Awwww, Dankeschön Kerstin! 🙂
      So könnt ich immer in den Tag starten 😉 Was ich jetzt die letzten Wochen über ES gelesen habe, komme ich daran auch nicht vorbei. Ich werde es nicht mehr diesen Monat lesen, aber dieses Jahr ist es auf jeden Fall noch dran. Ich hab aber gemerkt, dass es mehr Spaß macht, diese Bücher in großen Abschnitten zu lesen, weshalb ich für Sie viel freie Zeit am Stück brauchen werde.
      Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim Re-read von „Sie“!

      Viele Grüße,

      Jemima

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