heimkehren

Rezension: Heimkehren

„Heimkehren“ ist ein Debütroman der aus Ghana stammenden Amerikanerin Yaa Gyasi. In dem 400 Seiten starken Buch wird die Familiengeschichte der Halbschwestern Effia und Esi über mehrere Generationen hinweg abwechselnd erzählt. Die Lebensgeschichte der beiden Schwestern und ihrer Nachfahren verläuft sehr unterschiedlich, u.a. auch, weil sich beide nie kennen lernen.

Effia wird mit einem britischen Kolonialisten zwangsverheiratet und lebt ein mehr oder weniger gutes Leben bei ihrem Mann auf der Festung Cape Coast in Ghana.

Esi hingegen wird durch die Briten als Sklavin nach Amerika verkauft, um dort als Besitz eines Sklavenhalters – täglichen Misshandlungen und Vergewaltigungen ausgesetzt – dessen Plantagen bewirtschaften zu müssen.

Das ganze Buch lebt davon, dass jedes Kapitel einem anderen Protagonisten gewidmet ist, denn abwechselnd kommen Effia und ihre Nachkommen (ungerade Kapitel) sowie Esi und ihre Nachkommen (gerade Kapitel) zu Wort. Man ist teilweise etwas wehmütig, wenn man eine Protagonistin / einen Protagonisten über ein Kapitel begleitet hat und dies endet, da man die Charaktere innerhalb der relativ kurzen Kapitel (max. 35 Seiten) sehr lieb gewinnt. Durch die Nachkommen, erhält man glücklicherweise einen Einblick, wie es der vorherigen Generation weiterhin ergangen ist. Andererseits ist der Charakteren- und Zeitenwechsel die Stärke dieses Buches, da man über Generationen hinweg die Familie begleitet und viel von der geschichtlichen Entwicklung mitbekommt.

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Stammbaum aus dem Buch © Dumont / Yaa Gyasi

Alle Charaktere sind auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und durch politische und soziale Gegebenheiten entwurzelt. Hierzu trägt nicht nur die durch Amerikaner und Briten praktizierte Sklaverei bei, sondern auch die Stammeskriege sowie Sklaverei innerhalb der afrikanischen Völker (im Buch werden die Erzählungen aus Sicht der Völker ‚Asante’ und ‚Fante’ erzählt).

Das Buch macht einen sehr gut recherchierten Eindruck ohne als Geschichtsbuch daherzukommen. Man bekommt jedoch einen Überblick über das Leben der schwarzen Bevölkerung vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Spannend war hierbei der Einblick in die afrikanischen Kulturen, bedrückend die Sklaverei und Rassentrennung sowie Unterdrückung, die auch heute noch spürbar ist.

Ein starkes Buch, was ich allen ans Herz legen möchte, die sich für Generationsromane und vor allem afroamerikanische Geschichte interessieren.

Titel: Heimkehren
Original: Homegoing
Autor: Yaa Gyasi
Verlag: Dumont, 1. Auflage 2017 (erscheint am 22.08.2017)
Preis: 22 Euro

Vielen Dank an Vorablesen & den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar!

6 Antworten

  1. Liebe Jemima,
    Du hast so eine wundervolle Rezension geschrieben! Danke für diesen schönen Einblick in das Buch. Als ich das Bild mit dem Stammbaum gesehen habe, habe ich erstmal einen Schreck bekommen, weil ich bei so vielen Personen immer schnell den Überblick verliere. Und auch, dass man die Personen nur über ein Kapitel begleitet, konnte ich mir erstmal nicht so gut vorstellen. Aber was du über den Inhalt schreibst klingt so gut, dass das Buch dennoch sofort auf meine Wunschliste wandert.
    Liebe Grüße, Julia

    • jemima sagt:

      Hallo Julia,

      vielen lieben Dank! Es freut mich sehr, dass die Rezension Lust auf das Buch machen konnte. Da du „Underground Railroad“ auch gelesen hast, kann ich Dir sagen, dass ich „Heimkehren“ besser fand, wobei man die Bücher so ja eigentlich nicht vergleichen kann. Aber die „Heimkehren“ war mE gut recherchiert, die Charaktere (meistens) sehr, sehr liebenswert. Gehört für mich zu meinen Jahreshighlights 2017!

      Viel Spaß beim lesen, sollte es soweit sein!

      Viele Grüße,

      Jemima

      • Oh, ich wollte in meinem Kommentar eigentlich auch noch auf Underground Railroad eingehen. Hab ich dann ganz vergessen. Das Thema finde ich nämlich wirklich interessant und wichtig, die Umsetzung in UG hat mir aber nicht so gut gefallen. Aber wenn Heimkehren besser ist, dann freue ich mich jetzt um so mehr darauf. 🙂
        Ich werde mich auf jeden Fall melden, wenn ich es gelesen habe.
        LG

  2. Nicola sagt:

    Definitiv mein Jahreshiglight! Glück und Unglück liegen in dieser Geschichte so nah beieinander, dass es mich zu Tränen gerührt hat. Die geschilderten Schicksale waren so unglaublich realistisch beschrieben und die Charaktere unglaublich lebendig. Ich finde übrigens, dass sich eine Empfehlung des Buches alle richten solle. An alle die gern berührende Romane über Leid & Schmerz und Liebe & Hoffnung lesen 🙂
    Liebe Grüße!

    • jemima sagt:

      Hallo Nicola,

      ja, geht mir auch so: Das Buch gehört zu meinen Jahreshighlights 2017!
      Mit der Empfelung gebe ich Dir im Prinzip recht, wobei ich vor einem Jahr hauptsächlich Krimis gelesen habe, ich weiß nicht ob ich zu dem Zeitpunkt zu dem Buch gegriffen hätte. Es ist aber definitiv eine Bereicherung und ich freue mich sehr, dass ich es gelesen habe!

      Viele Grüße,

      Jemima

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