Rezension: Das Herz der verlorenen Dinge

Ungefähr 23 Jahre ist es her, dass die Geschichte um Simon in Osten Ard endete. Das Buch setzt einige Wochen oder Monate nach den Ereignissen aus „Der Engelsturm“ ein, da von „Krönung des Königspaares“ die Rede ist. Simon und Miriamel haben Herzog Isgrimnur entsandt, die verbliebenden Nornen unschädlich zu machen, damit diese keine Gefahr mehr für Osten Ard darstellen.

Insgesamt werden wir Zeuge von drei Schauplätzen, bei denen um Leben und Tod gekämpft wird, da die Nornen sich immer weiter nach Norden zurückziehen. Beide Seiten – Nornen und Menschen verlieren ihre Leben. Die Brutalität der Schlachten wird an einer Stelle besonders deutlich:

Im Morgengrauen sah das Feld am Fuß des Berges aus wie die Hölle in der Version eines wahnsinnigen Malers – eine kalte Hölle, kein Feuersee, sondern ein mit Toten und Beinahe-Toten übersäter Ort, den der wehende Schnee langsam mit Weiß überzog. (S. 226)

In „Das Herz der verlorenen Dinge“ kommen dieses Mal auch die Nornen zu Wort. Zentrale Personen sind Viyeki, ein Heeresvormann, der seinem Mentor als Großmagister nachfolgen soll und die mutige Kriegerin Suno’ku. Hierbei bekommt der Leser erstmals Einblick in das Gefühlsleben dieses Volkes: Durchaus „menschlich“ fiebert man bei ihrem Schicksal mit.

Auf Seite der Menschen kommt Herzog Isgrimnur zu Wort, den man bereits seit dem „Drachenbeinthron“ kennt und der junge Soldat „Porto“, der vielleicht noch eine Rolle in den neuen Bänden spielen wird.

Buchkritik

Ich habe mich sehr auf eine Rückkehr nach Osten Ard gefreut. Ich mochte Tad Williams Werke „Otherland“ und „Shadowmarch“ sehr, aber die „Osten Ard“ Reihe habe ich besonders wegen Simon ins Herz geschlossen. Ich war jedoch etwas enttäuscht, dass Simon keine zentrale Figur in dem Buch ist. Man erfährt nur, dass er diese Expedition in Auftrag gegeben hat und vor kurzem gekrönt wurde. Von Binabik erfährt man leider gar nichts, obwohl er im Vorwort „An meine Leser“ genannt wird. Aber glücklicherweise gibt es einen Auszug aus „Die Hexenholzkrone“, wo Simon und Miriamel – um einige Jahre gealtert – zu Wort kommen. Das steigert die Vorfreude auf die neuen Bände enorm.

Das Cover von „Das Herz der verlorenen Dinge“ gefällt mir nicht so gut. Ich habe die alten Ausgaben mit den Michael Whelan Artworks, der auch die amerikanischen Ausgaben der neuen Bücher illustriert. Auf die Frage an den Verlag, warum diese nicht verwendet wurde, erhielt ich nur die Antwort, die Originalcover nicht immer verwendet und die deutschen Versionen speziell illustriert und gestaltet werden. Wett macht dieser Umstand allerdings der schöne Einband: Dieser ist moosgrün, der Titel und Autor sind in silberner Schrift darauf geprägt. Ein echter Hingucker!

Fazit

Auch wenn es erst zur Hälfte des Buches richtig spannend wird, ist dieses Buch, welches die Rückkehr nach Osten Ard einläutet vermutlich für die kommende Handlung wichtig. Es wurden neue Charaktere eingeführt, bei denen ich mir vorstellen kann, dass diese auch in den Folgebüchern auftreten werden. Auch von dem Relikt der „Hexenholzkrone“ ist in diesem Band schon die Rede, weshalb hier vermutlich der Grundstein für „Der letzte König von Osten Ard“ gelegt wurde.

Deshalb: Unbedingt lesen und auf „Die Hexenholzkrone“ – die in zwei Bänden im Herbst diesen Jahres erscheint – einstimmen.

Titel: Das Herz der verlorenen Dinge
Original: The Heart of What was Lost
Autor: Tad Williams
Verlag: Klett-Cotta (1. Auflage 2017)
Preis: 20,00 Euro

Vielen Dank an vorablesen und Klett-Cotta für das Rezensionsexemplar!

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