Montagsfrage – KW 20 | Top, dann Flop

Die Montagsfrage wird wöchentlich durch Svenja von Buchfresschen auf ihrem Blog veröffentlicht. Wer Lust hat, kann sich innerhalb einer Woche an der Aktion beteiligen und die Frage zum Thema Bücher beantworten.

Die Frage vom 15.05.2017 (KW 20) lautet:

Gibt es ein Buch, dass du früher richtig gern mochtest, aber inzwischen nicht mehr?

Ja gibt es!hinundweg

Mein damaliger Lieblingsschauspieler Ethan Hawke hat 1997 / 1998 seinen Debütroman „Hin & Weg“ veröffentlicht und ich war mit 13/14 „Hin & Weg“ von dieser Liebesgeschichte um den unbeholfenen William und der Musikerin Sarah. Ich weiß noch, dass ich mich damals sehr stolz gefühlt habe, das erste Mal ein Jugend- bzw. Erwachenenroman zu lesen, da ich vorher nur Jugendfantasy bzw. „klassische“ Jugendbücher gelesen habe.

2007 – also ziemlich genau 10 Jahre später, mit inzwischen 23 – habe ich nochmal zu diesem Buch gegriffen und war restlos enttäuscht. Ich habe im Protagonisten William eigentlich nur Ethan Hawke selbst gesehen, der sich – oder eine seiner Rollen – selbst beschreibt. besonders wenn man das Buch neben seinem Film „Before Sunrise“ (den ich immer noch liebe!) sieht, weist dieser nicht von der Hand zu weisende Parallelen auf. Ist das schlimm? Jein. Eigentlich ist es gut, wenn man auch davon schreiben kann, was man kennt, andererseits hasse ich solche „ich-beschreibe-mich-irgendwie-selbst“ in Romanen – ich würde sonst schließlich Biographien lesen.

Meine Rezension von 2007 zu „Hin & Weg“:

Der 20 jährige Schauspieler William Harding lernt Sarah kennen und verliebt sich in sie. Aus der Begegnung wächst eine kurze Beziehung, welche William nach der Trennung verarbeiten muss

Zwischenzeitlich denkt man, Hawke beschreibt sich in seinem Debütroman selbst: Der Protagonist William ist wie er Texaner und Schauspieler. Bei den anderen von Williams Eigenschaften fühlt man sich an Hawkes in Filmen verkörperten Charaktere erinnert: Schlacksige Haltung und unsicher gegenüber Frauen. Wie die von Hawke gespielte Figur in ‚“Before Sunset'“ (geauso wie sein Vorgänger ein sehr zu empfehlender Film!) spricht William kein Französisch, was trotz mehrzeiliger Beschreibung im Roman die Handlung nicht weiter bringt. Hawke schreibt aus der Sicht des jungen Mannes, welcher sich stark und männlich fühlen will und innerhalb seiner inneren Monologe hauptsächlich seine sexuellen Phantasien zum besten gibt. Der Roman ist einfach geschrieben, zum ‚runterlesen‘, hat einen größtenteils vulgären Stil und keinen Höhepunkt. Zielgruppe dieses Romans wären Jugendliche, welche die Trennung der ersten Beziehung verarbeiten (wollen). Den langwierigen Gefühlsprozess beschreibt Hawke glaubwürdig und ist für Leser, welche keine zu großen Erwartungen in dieses Buch hegen durchaus geeignet.
Von nicht sehr großem Einfallsreichtum zeugt es, dass William mehrmals Shakespears ‚Romeo und Julia‘ zitiert. Dies wirkt ziemlich flach, wenn man bedenkt, dass er Schauspieler sein soll, der wohl auch etwas in der Literatur bewandert sein müsste. Es gibt unendlich viele Liebesgeschichten, die man anstatt den abgedroschenen Zitaten aus Romeo und Julia hätte wählen können.

Hattet ihr dieses Erlebnis auch schon? Bücher, die ihr beim ersten Mal lesen mochtet, beim zweiten Mal nicht?

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