Hologrammatica

Hologrammatica von Tom Hillenbrand

Na, „Schwammkopf“?

Richtig gelesen, im Tom Hillenbrands neustem Science-Fiction Thriller „Hologrammatica“ werden im Jahr 2088 Menschen so genannt, die sich keinen kleinen Computer anstelle ihres Gehirns implantiert haben lassen. Das Pendant dazu sind „Hohlköpfe“ bzw. „Quants“  – Menschen, die ihr Gehirn durch einen Quantencomputer ersetzen ließen und ihr Bewusstsein in andere Körper, sogenannte „Gefäße“,  hochladen lassen können. Dies ermöglicht den „Hohlköpfen“ / „Quants“, ein beliebiges (menschliches) Erscheinungsbild anzunehmen.

Klingt cool? Ist aber nicht ganz ausgereift. Nach 21 Tagen muss jeder „Quant“ in seinen Stammkörper zurück, sonst erfolgt ein Braincrash – Datensalat sozusagen. Neben diesen menschlichen Errungenschaften hat die Menschheit inzwischen den Mars besiedelt, die Klimaerwärmung wurde mithilfe eines Supercomputers reguliert und die Menschen reisen in Überschallgeschwindigkeiten durch die Welt. Das Holonetz „schönt“ mithilfe von „Holopolish“ die Umgebung, sodass Abnutzungserscheinungen etc. nicht mehr zu sehen sind. Um das Holonetz von der Realität zu unterscheiden, gibt es Datenbrillen (sogenannte „Strippergoggles“) die für den Betrachter die holographischen Schichten „deaktivieren“ können.

In dieser Zukunftsversion begleitet der Leser den Quästor Galahad Singh – eine Art Privatdetektiv, der verschwundene Personen finden soll. Er wurde beauftragt eine Programmiererin zu finden, die sich mit Verschlüsselungen für Backups von „Quant“-Gehirnen beschäftigt hat. Während seiner Ermittlungen lernt Galahad Francesco kennen (und lieben) – einen „Quant“, der zwischenzeitlich auch als Francesca auftritt. Da Galahad schwul ist, ist er zu Beginn aufgrund dieser wechselnden Identitäten etwas verwirrt. Letztendlich ist dies jedoch eine der schönen Erkenntnisse dieses Buches: Es spielt in der Liebe keine Rolle welches Geschlecht ein Mensch hat oder wer er ist. Auch ein anderer Aspekt dieser Zukunftsversion ist mir sehr positiv aufgefallen: Die Welt ist durch die schnelleren Transportmöglichkeiten zusammengewachsen, Nationalitäten scheinen keine große Rolle zu spielen.

Es gibt immer wieder witzige Szenen im Buch – beispielsweise kann Galahad mit ein paar Plüschwürfeln, die in einem Auto hängen nichts anfangen. Auch auf „Drohnenland“ gibt es indirekt eine Referenz:

„So eine Assistenz-Software ist leider nicht allzu helle. Eine Aufgabe wird ihr schnell zu komplex. Vermutlich wäre es möglich, eine schlauere zu programmieren.“ (S. 298)

Einzig der Schluss und der Epilog sind mir etwas zu kurz geraten. Nichtsdestotrotz habe ich mich durch „Hologrammatica“ sehr gut unterhalten gefühlt.

Fazit

Ich habe vor ca. zwei Jahren Hillenbrands ersten Science-Fiction Krimi „Drohnenland“ gelesen, der mir bereits sehr gut gefallen hat. Auch bei „Hologrammatica“ gelingt es Hillenbrand, eine Zukunftsversion zu entwerfen, die durchaus glaubhaft daher kommt. Mit Galahad Singh hat er außerdem einen sympathischen Protagonisten entworfen. Setz deine „Strippergoggles“ auf und lies dieses Buch!

Titel: Hologrammatica
Autor: Tom Hillenbrand
Verlag: KiWi, 1. Auflage 2018
Seiten: 560
Preis: 12 Euro

Vielen Dank an Vorablesen & den KiWi Verlag für das Rezensionsexemplar!

4 Antworten

  1. Diana sagt:

    Hallo,

    ich habe die Leseprobe zu dem Buch gelesen und fand die sehr gut. Nach deiner Rezension bin ich noch überzeugter davon mir das Buch mal zuzulegen. 🙂

    Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

  2. Ich hab das Buch schon auf einem anderen Blog entdeckt und da du nun auch so begeistert bist, kommt es nun definitiv auf die Wunschliste! Fantasy bin ich ja schon mehr unterwegs und auch bezüglich Sci-Fi wird mein Interesse größer!

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