ES-King

ES von Stephen King [mit Spoilern]

Den kompletten November habe ich mit „ES“ von Stephen King verbracht. Mit seinen 1534 Seiten hat das Buch mich nicht nur durch die hohe Seitenzahl herausgefordert.

Das Buch ist im Prinzip ein Coming of Age-Roman, der die Kindheit und das Erwachsenwerden von einer Gruppe Kinder beschreibt. Als Leser erfährt man, wie sie sich kennenlernen, erfährt einiges über ihre Eigenarten und wie sie sich zusammen ihren Urängsten und dem Bösen stellen. Neben der Kindheit und ihrem ersten Kampf mit dem Monster ES 1958 erfährt man 1985, wie es den inzwischen Erwachsenen ergangen ist und springt somit immer wieder zwischen diesen beiden Zeitebenen hin und her.

Ich mochte an dem Buch, dass man von den Protagonisten so viel erfährt, was sie früher gemacht haben, wo sie 1985 stehen. Teilweise ziehen sich einige Kapitel jedoch extrem, besonders bei den Zwischenspielen, die zwischen den 1958 und den 1985 Kapiteln auftauchen und oftmals die Chronologie von Derry und Mikes Recherchen beschreiben. Deutlich wird aber daraus, dass Derry von vielen als unbequemer Ort wahrgenommen wird. Auf dieses Gefühl kommt King auch in seinen anderen Romanen zu sprechen, beispielsweise in „Der Anschlag“, als Jake Epping kurz nach dem ersten Kampf gegen ES während einer Zeitreise Derry besucht.

Der Klub der Verlierer

Den Begriff prägt Richie und es ist so, als würde sich ein komplettes Puzzle zusammenfügen, als alle „Verlierer“ beisammen sind. Die Kinder sind mir je mehr man von ihnen erfährt sehr ans Herz gewachsen:

  • Bill, der stark stottert und von seinen Freunden als Anführer gesehen & „Stotter-Bill“ genannt wird
  • Eddie, der Asthma hat und insgesamt sehr klein & ängstlich ist, zu Bill aufschaut und einen guten Orientierungssinn hat
  • Ben, der durch sein großes Übergewicht „Haystack“ genannt wird und eine Begabung für Konstruktionen & eine Leidenschaft für Bücher und Beverly hat
  • Richie, die viele Stimmen imitieren kann und der Spaßvogel der Gruppe ist
  • Beverly, die am besten mit der Zwille umgehen kann und in ihrem Elternhaus viel Gewalt erfährt
  • Mike, der als Farmersohn auswächst und es sich im späteren Verlauf zur Aufgabe gemacht hat, die anderen an ihre Pflicht zu erinnern
  • Stan, der Jude ist und damit eigentlich nicht viel anfangen kann & dessen Hobby die Vogelkunde ist

Stan war mir trotz längerer Abschnitte nicht so nah, wie die anderen Kinder. Es wird aber im Verlauf des Buches deutlich, woran das liegt.

Was mir am Buch nicht gefallen hat (Spoiler)

Das Ende des Buches hat mich ziemlich gestört, weshalb ich mit dem Buch nicht ganz glücklich war. Zum einen war der Kampf meiner Meinung nach ein bißchen zu einfach, zum anderen verwischen in der Erzählstruktur die Realitäten zwischen 1958/1985 & da sich einige Dinge der Vergangenheit wiederholen, musste ich immer mal wieder zurückblättern um mich wieder orientieren zu können. Des Weiteren war im Gesamten Buch von der „Schildkröte“ die Rede und ich habe regelrecht auf diese hingefiebert. Aber so richtig wurde diese dann nicht erklärt. Schon komisch, wo sich King an anderen Stellen sehr viel Zeit nimmt (18 Seiten für die Lebensgeschichte von Stan und seiner Frau).

Besonders gestört hat mich allerdings die Gruppensex-Szene der Kinder (richtig gelesen!). Im Jahr 1958 haben sich die Kinder nach dem großen Kampf in der Kanalisation verlaufen. Eddie, der bisher einen guten Orientierungssinn hatte, weiß auch nicht mehr weiter. Also kommt Beverly auf die Idee – da ihr Vater ihr vorher bereits unterstellt hatte nicht mehr Jungfräulich zu sein – mit ihren Freunden zu schlafen. Das erste Mal und mit jedem einzelnen. Hintereinander. Während die anderen daneben stehen. Ich kann mir vorstellen, welche Intention King bei der Szene hatte. Sex ist gerade beim Thema „Erwachsenwerden“ eine elementare Erfahrung, sie drückt Nähe / Zuneigung / Energie aus. Aber bei mir hat dieses „nacheinander rüberrutschen“ nen bitteren Nachgeschmack ausgelöst. Zum einen wegen des Alters der Kinder (10- 12 Jahre) zum anderen, der „Gruppencharakter“. Meiner Meinung nach hätte es für die Verbundenheit der Freunde auch ein anderes Stilmittel getan.

Die Szene war für mich der Hauptgrund, warum ich nach Beendigung des Buches sehr unzufrieden war. Ich bin sehr uneins, wie ich das Buch bewerten soll. Zum einen waren die Charaktere toll erzählt, ich hab den Klub ins Herz geschlossen. Zum anderen war es sehr lang und die oben beschriebene Szene hat noch ihr übriges getan, dass ich das Buch nicht zufrieden zur Seite legen konnte.

bis

Titel: ES
Original: IT
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne Verlag, 2017
Preis: 14,99 Euro

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